Half Moon – der Film

“Half Moon”, das ist ein Filmtitel, der zunächst noch am ehesten einen Horrorreißer über Werwölfe vermuten lässt. Doch dabei handelt es sich um ein völlig anderes Metier. Übersetzt man den Filmtitel nämlich ins Deutsche zu “Halbmond”, kommt man der tatsächlichen Geschichte, die in diesem Mix aus Drama und Komödie erzählt wird, schon näher, aber auch Roadmovie ist zutreffend. Für Drehbuch und Regie zeigt sich der iranisch-stämmige Kurde Bahman Ghobadi verantwortlich. Die Koproduktion aus den Ländern Iran, Irak, Österreich und Frankreich kam 2006 in die deutschen Kinos. Der Spielfilm ist dabei durchaus als Roadmovie zu verstehen, auch wenn er in einem dafür gänzlich ungewohnten Umfeld spielt. Die Geschichte dreht sich um einen einst im Irak bekannten Sänger, der nach der Befreiung des Iraks ein letztes Mal hier auftreten möchte und eine beschwerliche Reise auf sich nimmt.

Marmo möchte ein letztes Mal auf ein Konzert in Arbil

Marmo (Ismail Ghaffari) lebt nicht mehr im Irak, den zu den Zeiten von Saddam Hussein war sein Leben als damals bekannter kurdischer Sänger gefährdet und er musste ins Ausland fliehen. Nun ist es sein größter Traum, in der inzwischen autonomen Hauptstadt der Region Kurdistan Arbil im Irak ein letztes Konzert zu geben, dessen Motto ebenfalls im Zeichen der Freiheit stehen soll: Schrei nach Freiheit. Dazu bittet er seine zehn Söhne ebenfalls, sich mit ihm auf die gefährliche Reise vom Iran nach Irak zu begeben. Er selbst musste sogar über sieben Monate warten, bis er überhaupt ein Einreisevisum in den Irak erhielt. Schlussendlich willigen seine Söhne ein, allerdings wird schnell Unmut breit, als Marmo erklärt, dass er die Sängerin Hesho (Hedieh Tehrani) ebenfalls mit in den Irak nehmen möchte. Die Söhne zeigen dafür kein Verständnis, weil die Frau zum einem keine Einreisepapiere besitzt und zudem auch bei dem Konzert singen möchte. Doch Frauen ist im Irak das öffentliche Singen verboten. Widerwillig akzeptieren seine Söhne, dass Hesho über die Grenze geschmuggelt werden soll.

halfmoon-filmposterEinfach alles geht schief bei der Reise in den Irak

Doch an der Grenze angekommen, kommt es dann tatsächlich zu großen Problemen. Nicht nur, dass drei seiner Söhne ebenfalls keine gültigen Transitpapiere besitzen – zu allem Überfluss entdecken die Grenzbeamten die Sängerin und nehmen sie fest. Dennoch möchte Marmo nicht aufgeben, denn dieses Konzert ist sein wirklich letzter großer Traum in seinen letzten Lebensjahren. Doch die gesamte Reise stellt sich als außerordentlich gefährlich dar und immer mehr seiner Söhne werden aus verschiedenen Gründen an der Weiterreise gehindert. Zum Schluss werden Marmo sogar noch seine Musikinstrumente zerstört. Nun steht er ohne Söhne und ohne Musikinstrumente da, doch immer noch nicht will er aufgeben. Da trifft er auf das junge Mädchen Nîwemang (Golshifteh Farahani), die ihm vorschlägt, ihn über die Türkei in den Irak zu bringen. Doch es soll sich herausstellen, dass Marmo nicht mehr lange zu leben hat. Dabei ist der Wunsch nach diesem Konzert ungebrochen – tot oder lebendig. Ob Marmo ihm diesen Wunsch noch erfüllen kann?

Half Moon – preisgekrönte Roadmovie der anderen Art

“Half Moon” wurde mehrfach international ausgezeichnet. Außerdem wurde die Drama-Komödie im Stil eines Roadmovies in Wien anlässlich des 250. Geburtstags von Wolfgang Amadeus Mozart im Rahmen vom “New Crowned Hope Festival” uraufgeführt. Der irakische Regisseur Bahman Ghobadi, der kurdischer Herkunft ist, wurde schon vor “Half Moon” international bekannt. Zum Durchbruch verhalf ihm 2000 der Spielfilm “Zeit der trunkenen Pferde”, der ebenfalls im irakischen Kurdengebiet spielt. Bei “Half Moon” liegt der Fokus vor allem auf den Hürden, die den Menschen an den Grenzen der Region in den Weg gestellt werden.